NEBENWIRKUNGEN UND RISIKEN
Medizinisches Cannabis: Nebenwirkungen und Risiken im Überblick
Medizinisches Cannabis kann körperliche und psychische Nebenwirkungen auslösen. Laut der Begleiterhebung des BfArM sind sie häufig, aber meist leicht und vorübergehend. Am häufigsten sind Müdigkeit, Schwindel und Schläfrigkeit. Wie stark sie ausfallen, hängt von Dosis, THC-Gehalt, Einnahmeform, Dauer und von dir selbst ab. Deshalb wird langsam eindosiert.
Die sieben häufigsten Nebenwirkungen in der BfArM-Begleiterhebung mit 16.809 Verordnungen. Müdigkeit führt mit knapp 15 Prozent, alles Weitere liegt unter 10 Prozent.
Diese Seite zeigt, wie häufig die einzelnen Nebenwirkungen sind, woran du eine Unverträglichkeit erkennst, welche psychischen Risiken es gibt, wie Toleranz, Abhängigkeit und Entzug zusammenhängen, was über Langzeitfolgen bekannt ist, was das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist, welche Wechselwirkungen und Ausschlussgründe gelten, was beim Fahren zu beachten ist und wie Ärzt:innen das Risiko begrenzen. Die Grundlagen zu medizinischem Cannabis stehen im Überblick. Daten aus dem Freizeitkonsum lassen sich dabei nicht eins zu eins auf eine ärztlich begleitete Therapie übertragen, der Unterschied zu Freizeit-Cannabis ist im Überblick erklärt.
Nebenwirkungen: Das Wichtigste in Kürze
- Nebenwirkungen sind häufig, aber meist leicht und vorübergehend. Die häufigsten sind Müdigkeit (14,9 %), Schwindel (9,8 %) und Schläfrigkeit (6,0 %), laut BfArM-Begleiterhebung mit 16.809 Verordnungen.
- Die meisten treten zu Beginn und nach Dosisänderungen auf und lassen mit der Gewöhnung nach. Deshalb wird langsam eindosiert.
- Warnzeichen für eine zu hohe Dosis sind starke Angst, anhaltendes Herzrasen, Schwindel und Verwirrtheit. Brustschmerz, Ohnmacht oder anhaltendes Erbrechen gehören in ärztliche Hand.
- Hohe THC-Dosen können Angst und Panik auslösen. Eine Psychose in der eigenen Geschichte oder in der Familie schließt medizinisches Cannabis in der Regel aus.
- Bei regelmäßiger Einnahme entsteht Toleranz. Vier bis zehn Prozent der regelmäßig Konsumierenden entwickeln eine Abhängigkeit, abgesetzt wird schrittweise.
- Cannabis wird über dieselben Leberenzyme abgebaut wie viele Medikamente. Die komplette Medikation gehört in die Sprechstunde.
- In der Einstellungsphase und nach jeder Dosisänderung gilt: nicht fahren. Bei stabiler Dosis ohne Beeinträchtigung ist Fahren erlaubt.
BEGLEITERHEBUNG
Häufige Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis: Körper und Psyche
Die Begleiterhebung des BfArM hat 16.809 Kassenverordnungen ausgewertet. So häufig wurden die einzelnen Nebenwirkungen gemeldet:
Müdigkeit
Häufigkeit: 14,9 %
Typisch: Müdigkeit tritt vor allem zu Beginn und nach einer Dosiserhöhung auf.
Was hilft: Abends einnehmen und die Dosis mit der Ärztin oder dem Arzt anpassen.
Schwindel
Häufigkeit: 9,8 %
Typisch: Schwindel tritt vor allem kurz nach der Einnahme auf.
Was hilft: Langsam aufstehen, hinsetzen und die Dosis prüfen lassen.
Schläfrigkeit
Häufigkeit: 6,0 %
Typisch: Schläfrigkeit tritt vor allem tagsüber bei zu hoher Dosis auf.
Was hilft: Die Einnahmezeit verschieben und nicht Auto fahren.
Übelkeit
Häufigkeit: 4,9 %
Typisch: Übelkeit tritt vor allem zu Beginn und bei oraler Einnahme auf.
Was hilft: Die Einnahmeform mit der Ärztin oder dem Arzt prüfen.
Mundtrockenheit
Häufigkeit: 4,9 %
Typisch: Mundtrockenheit tritt während der Wirkung auf.
Was hilft: Wasser trinken und zuckerfreie Kaugummis kauen.
Aufmerksamkeitsstörungen
Häufigkeit: 4,3 %
Typisch: Aufmerksamkeitsstörungen treten während der Wirkung auf.
Was hilft: Keine Tätigkeiten mit Verletzungsrisiko ausüben.
Appetitsteigerung
Häufigkeit: 4,2 %
Typisch: Die Appetitsteigerung tritt während der Wirkung auf.
Was hilft: Je nach Erkrankung ist sie erwünscht, sonst die Dosis prüfen lassen.
Herzrasen, Blutdruckabfall
Häufigkeit: gelegentlich
Typisch: Herzrasen und Blutdruckabfall treten kurz nach der Einnahme auf.
Was hilft: Hinsetzen und bei einer Vorerkrankung ärztlich abklären lassen.
Gerötete Augen
Häufigkeit: gelegentlich
Typisch: Gerötete Augen treten während der Wirkung auf.
Was hilft: Das ist harmlos und klingt mit der Wirkung ab.
Kopfschmerzen
Häufigkeit: selten
Typisch: Kopfschmerzen hängen von der Dosis ab.
Was hilft: Trinken und die Dosis mit der Ärztin oder dem Arzt prüfen lassen.
Quelle: BfArM, Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 3/2022, 16.809 Datensätze, Mehrfachnennungen. Werte ohne Prozentangabe stammen aus Fachinformationen und Patienteninformationen. Links am Seitenende unter Quellen.
Körperlich: Herzrasen und ein Blutdruckabfall beim Aufstehen treten vor allem zu Beginn auf. Bei Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen ist Vorsicht nötig, eine dänische Registerstudie sah ein leicht erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen (Holt 2024). Todesfälle durch medizinisches Cannabis wurden nicht berichtet. Appetitsteigerung und besserer Schlaf sind bei manchen Erkrankungen erwünscht, bleiben aber Nebenwirkungen.
Psychisch: Die Spannbreite reicht von leichter Euphorie über Unruhe und Stimmungsschwankungen bis zu Angst. Gelegentlich wurden Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Suizidgedanken gemeldet, vor allem bei hoher THC-Dosis. Solche Symptome gehören sofort in die Sprechstunde. Die meisten Nebenwirkungen treten zu Beginn und nach Dosisänderungen auf und lassen mit der Gewöhnung nach. Frauen meldeten in der Begleiterhebung häufiger Nebenwirkungen als Männer.
WARNZEICHEN
Wie merkt man, dass man medizinisches Cannabis nicht verträgt?
Warnzeichen für eine Unverträglichkeit oder eine zu hohe Dosis sind:
- starke Angst oder Panik
- Herzrasen, das nicht nachlässt
- Schwindel beim Aufstehen, Schwarzwerden vor den Augen
- Übelkeit und Erbrechen
- Verwirrtheit, Wahrnehmungsstörungen
- das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren
Wann ärztliche Hilfe nötig ist
- Brustschmerz oder anhaltendes Herzrasen
- Bewusstseinsstörungen oder Ohnmacht
- anhaltendes Erbrechen, Zeichen von Austrocknung
Eine zu hohe Dosis ist unangenehm, in der Regel aber nicht lebensbedrohlich. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Stunden ab. Hilfreich ist, sich hinzusetzen oder hinzulegen, für Ruhe zu sorgen, Wasser zu trinken und auf keinen Fall nachzudosieren oder zu fahren. Bei oraler Einnahme setzt die Wirkung verzögert ein, das verleitet zum Nachdosieren.
In der Therapie gilt: Nebenwirkungen notieren und in der Sprechstunde melden. Dosis, Produkt oder Einnahmeform werden dann angepasst. Die Einstellungsphase ist die kritische Zeit, viele Beschwerden treten nur dort auf. Eigenmächtiges Absetzen oder Erhöhen ist keine Lösung.
PSYCHE
Psychische Risiken: Angst, Panik und Cannabis-Psychose
Hohe THC-Dosen können akut Angst, Panik, Verwirrtheit und vorübergehende Sinnestäuschungen auslösen. Diese Reaktionen hängen von der Dosis und der Einnahmeform ab: Inhaliert flutet THC schnell an, oral kommt die Wirkung verzögert und hält länger. Sie klingen nach Stunden bis wenigen Tagen ab.
Davon zu trennen ist die Cannabis-Psychose. Bei einer Veranlagung kann Cannabis eine Psychose auslösen oder früher ausbrechen lassen. Risikofaktoren sind ein früher Konsumbeginn, hoher THC-Gehalt, täglicher Konsum und Psychosen in der Familie. Ob Cannabis die Ursache ist oder beides gemeinsame Wurzeln hat, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Der Cannabisreport der Techniker Krankenkasse beziffert das Risiko bei Erwachsenen mit regelmäßigem Konsum auf etwa das Doppelte.
Für die Therapie heißt das: Eine Psychose oder Schizophrenie in der eigenen Geschichte oder in der Familie wird vor der Verordnung abgefragt und schließt medizinisches Cannabis in der Regel aus. In der ärztlich begleiteten Anwendung sind psychoseähnliche Nebenwirkungen deutlich seltener als im Freizeitkonsum. Eine Metaanalyse mit über 210.000 Personen fand sie bei ein bis zwei Prozent der Patient:innen gegenüber 19 bis 21 Prozent der Freizeitkonsumierenden. CBD-reiche Produkte gelten als verträglicher, ein Versprechen ist das nicht.
GEWÖHNUNG
Toleranz, Abhängigkeit und Entzug
Toleranz: Bei regelmäßiger Einnahme passt sich der Körper an THC an. Die Zahl der CB1-Rezeptoren im Gehirn sinkt, die Wirkung lässt nach, die Nebenwirkungen meist auch. Nach einer Abstinenz erholt sich die Rezeptordichte wieder. Die Dosis selbst zu erhöhen, ist keine Lösung: Dosispausen oder ein Produktwechsel gehören in die Sprechstunde.
Abhängigkeit: Je nach Quelle entwickeln vier bis zehn Prozent der regelmäßig Konsumierenden eine Abhängigkeit. Risikofaktoren sind ein früher Beginn, täglicher Konsum und hoher THC-Gehalt. Bei ärztlich begleiteter Therapie wurde das bisher selten beobachtet, ausgeschlossen ist es nicht. Ehrlichkeit über Konsummuster ist deshalb Teil jeder Anamnese.
Entzug: Beim abrupten Absetzen sind Reizbarkeit, Unruhe, Schlafprobleme, Appetitverlust und Schwitzen möglich. Eine Metaanalyse fand Entzugssymptome bei rund der Hälfte der regelmäßig Konsumierenden (Bahji 2020). Der Entzug ist körperlich milder als bei Alkohol oder Opioiden, kann aber psychisch belasten. Deshalb wird schrittweise abgesetzt, nicht abrupt.
Bei regelmäßiger THC-Einnahme sinkt die Zahl der CB1-Rezeptoren, die Wirkung lässt nach. In einer Pause erholen sie sich nach etwa vier Wochen weitgehend.
Typischer Verlauf eines Entzugs
Tag 1 bis 3
Zu Beginn kommen Unruhe, Reizbarkeit und Schlafprobleme.
Tag 3 bis 6
Die Beschwerden erreichen ihren Höhepunkt.
Woche 2 bis 3
Abklingen
Woche 4
Die Rezeptordichte hat sich weitgehend erholt.
Richtwerte aus Studien zum Freizeitkonsum. Link am Seitenende unter Quellen.
LANGZEIT
Langzeitfolgen: Was regelmäßiger Konsum im Gehirn verändern kann
Das Gehirn reift bis etwa zum 25. Lebensjahr. Eine Übersichtsarbeit mit 90 Studien kommt zu dem Schluss, dass regelmäßiger Konsum in der Jugend Struktur und Funktion von präfrontalem Kortex, Hippocampus und Amygdala verändern kann. Konsum vor dem 16. Lebensjahr gilt als besonders riskant, in Längsschnittdaten war die Ausdünnung der Großhirnrinde dosisabhängig.
Bei Erwachsenen zeigen Studien unter regelmäßigem Konsum Einbußen bei Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Eine Metaanalyse fand bei starkem Konsum einen kleineren Hippocampus, dabei war die konsumierte Menge wichtiger als die Dauer (Rocchetti 2013).
Vieles davon ist umkehrbar. Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsdefizite bilden sich nach Abstinenz meist zurück, funktionelle Auffälligkeiten oft innerhalb eines Monats, die Rezeptordichte erholt sich. Nach intensivem Konsum in der Jugend können strukturelle Veränderungen bleiben. Eine „Wesensveränderung“ ist nicht belegt, beschrieben werden eher weniger Antrieb und Gewissenhaftigkeit unter Dauerkonsum.
Wichtig: Diese Daten stammen aus dem Freizeitkonsum. Studien zur ärztlich begleiteten Therapie dauern Wochen bis Monate, Langzeitrisiken gelten deshalb als nicht abschätzbar. Eine Studie mit Erstpatient:innen fand nach zwölf Monaten keine messbaren Veränderungen im Gehirn, Details dazu stehen bei der Wirkung von Cannabis.
SELTEN, ABER ERNST
Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS): Übelkeit und Erbrechen bei Dauerkonsum
Leitsymptom: Wiederkehrendes Erbrechen, das unter heißem Wasser besser wird, ist ein Hinweis auf CHS.
Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS) ist eine seltene, paradoxe Reaktion nach jahrelangem, meist täglichem Cannabiskonsum: Episoden mit heftigem Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen, obwohl Cannabis sonst gegen Übelkeit eingesetzt wird. Erstmals beschrieben wurde es 2004, die Ursache ist ungeklärt, die Dunkelziffer gilt als hoch.
Typisch sind morgendliche Übelkeit, wässriges Erbrechen bis mehrmals täglich, Bauchschmerzen, Schwitzen und Gewichtsverlust. Gefährlich wird vor allem die Austrocknung. Das Leitsymptom: Heißes Duschen oder Baden lindert die Beschwerden vorübergehend.
Die Diagnose wird klinisch und per Ausschluss gestellt, andere Ursachen für wiederkehrendes Erbrechen müssen abgeklärt werden. Übliche Mittel gegen Übelkeit wirken schlecht. Die einzige wirksame Behandlung ist der Verzicht auf Cannabis, dann bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage und verschwinden nach Monaten. Wegen möglicher Entzugssymptome wird schrittweise abgesetzt.
Für Patient:innen heißt das: Wer unter einer Cannabis-Therapie wiederholt erbricht, meldet das der Ärztin oder dem Arzt. Die Diagnose gehört in ärztliche Hand.
MEDIKATION
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Beruhigungs- und Schlafmittel, Alkohol
Mögliche Wechselwirkung: Beide zusammen verstärken Müdigkeit, verlangsamte Reaktion und Blutdruckabfall.
Was zu beachten ist: Die Kombination vermeiden und Alkohol während der Einstellung weglassen.
Antidepressiva
Mögliche Wechselwirkung: Die Müdigkeit kann zunehmen, ein Einfluss auf den Serotonin-Haushalt ist möglich.
Was zu beachten ist: Nur mit Wissen der Psychiaterin oder des Psychiaters kombinieren, mehr im Beitrag Cannabis und Antidepressiva.
Schmerzmittel wie Ibuprofen
Mögliche Wechselwirkung: Es gibt kaum direkte Wechselwirkungen, Magen und Niere sollten beachtet werden.
Was zu beachten ist: Dauergebrauch ärztlich begleiten lassen, mehr im Beitrag Cannabis und Ibuprofen.
Antibiotika
Mögliche Wechselwirkung: Beide werden über dasselbe Leberenzym (CYP3A4) abgebaut, die Wirkspiegel können sich verschieben.
Was zu beachten ist: Das Antibiotikum angeben und die Dosis nicht selbst ändern, mehr im Beitrag Cannabis und Antibiotika.
Blutverdünner und Antiepileptika
Mögliche Wechselwirkung: CBD hemmt den Abbau, die Wirkspiegel können steigen.
Was zu beachten ist: Spiegelkontrollen und Rücksprache mit der behandelnden Praxis sind nötig.
Johanniskraut, hormonelle Verhütung
Mögliche Wechselwirkung: Johanniskraut kann die Wirkung von Cannabis-Fertigarzneimitteln abschwächen, ein THC-CBD-Spray kann hormonelle Verhütung abschwächen.
Was zu beachten ist: Pflanzliche Mittel immer angeben und die Verhütung besprechen.
THC und CBD werden über dieselben Leberenzyme abgebaut wie viele andere Medikamente (CYP2C9, CYP2C19, CYP3A4). Deshalb können sich Wirkspiegel gegenseitig verändern: Cannabis kann den Abbau anderer Wirkstoffe bremsen, andere Wirkstoffe den Abbau von THC und CBD.
Für Blüten und Extrakte sind die Daten dünn, die meisten Angaben stammen aus den Fachinformationen von Fertigarzneimitteln. Für die Praxis gilt: Die komplette Medikation inklusive frei verkäuflicher und pflanzlicher Mittel gehört in die Sprechstunde, die Apotheke kann Wechselwirkungen prüfen, und abgesetzt oder umgestellt wird nichts ohne Rücksprache.
AUSSCHLUSSGRÜNDE
Kontraindikationen: Wer medizinisches Cannabis nicht bekommen sollte
In der Regel ausgeschlossen
- Psychose oder Schizophrenie in der eigenen Vorgeschichte oder in der Familie, siehe oben.
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Cannabinoide oder Bestandteile des Präparats.
- Schwangerschaft und Stillzeit, weil THC auf das Kind übergeht.
- Kinder und Jugendliche, weil das Gehirn noch reift. Ausnahmen sind seltene schwere Erkrankungen mit zugelassenen Fertigarzneimitteln.
Nur nach sorgfältiger Abwägung
- Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weil THC Puls und Blutdruck verändert.
- Suchterkrankungen in Gegenwart oder Vergangenheit.
- Schwere Leber- oder Nierenerkrankungen, weil der Abbau verändert ist.
- Alter unter 25, weil die Hirnreifung noch nicht abgeschlossen ist.
Einzelfallentscheidung der behandelnden Ärztin oder des Arztes.
Die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Die Anamnese fragt genau diese Punkte ab, darunter Psychosen in der Familie, Herzerkrankungen und einen Kinderwunsch. Ehrliche Angaben schützen dich. Bei Kinderwunsch gibt es Hinweise auf eine verringerte Spermienqualität unter Dauerkonsum, auch das gehört ins Gespräch. Synthetische Cannabinoide, wie sie in illegalen Produkten vorkommen, sind kein medizinisches Cannabis und deutlich gefährlicher.
ALLTAG
Fahreignung und Alltag: Was während der Therapie gilt
Einstellungsphase
Nicht fahren, keine Maschinen bedienen, Dosis und Reaktion erst kennenlernen.
Stabile Dosis
Fahren erlaubt, wenn keine Beeinträchtigung vorliegt. Verordnung mitführen, Zweifel heißt nicht fahren.
In der Einstellungsphase und nach jeder Dosisänderung gilt: nicht fahren, keine Maschinen bedienen. Bei stabiler Dosis ohne Beeinträchtigung dürfen Patient:innen am Straßenverkehr teilnehmen, das Medikamentenprivileg schützt vor dem THC-Grenzwert, nicht vor einer Fahrt im beeinträchtigten Zustand. Die Verordnung oder eine ärztliche Bescheinigung solltest du bei dir haben, den aktuellen Stand findest du in der Rechtslage zum medizinischen Cannabis.
Wer sich beeinträchtigt fühlt, fährt nicht, unabhängig vom Grenzwert. THC ist deutlich länger nachweisbar, als es wirkt. Für Arbeit, Maschinen und Reisen gilt dasselbe Prinzip: Bei Auslandsreisen sollte das Präparat durchgehend verfügbar sein, sonst drohen Entzugssymptome. Für den Schengen-Raum hilft das Schengen-Formular, mehr zum Fahren steht im Beitrag Cannabis und Autofahren.
SPRECHSTUNDE
Aufklärung in der Sprechstunde: So gehen Ärzt:innen mit Risiken um
Vor jeder Verordnung müssen Ärzt:innen über Risiken, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Alternativen aufklären, mündlich und verständlich. Das regelt das Patientenrechtegesetz, und es gilt in der Videosprechstunde genauso wie in der Praxis. Das Risiko wird in vier Schritten begrenzt:
Anamnese: Vorerkrankungen, Medikation und die Ausschlussgründe von oben werden abgefragt.
Startdosis: Begonnen wird niedrig, gesteigert wird langsam, bis die Wirkung passt.
Erfassung: Nebenwirkungen werden notiert und gemeldet, nicht ausgesessen.
Anpassung: Im Folgetermin werden Dosis, Produkt oder Einnahmeform angepasst.
Nebenwirkungen sind kein Grund zu schweigen. Wer sie meldet, bekommt eine passendere Einstellung. Wie die Verordnung bei GreenMedical abläuft, erklärt die Seite zum Cannabis-Rezept, den allgemeinen Weg zum Rezept beschreibt der Überblick.
Dein Weg zum Cannabis‑Rezept
Du füllst den Fragebogen aus, eine Ärztin oder ein Arzt prüft deine Angaben und schickt das Rezept digital an deine Wunschapotheke. Dort bestätigst du die Bestellung und entscheidest dich für Abholung oder Lieferung. Dein Rezept wird in der Regel in unter einer Stunde bearbeitet.
Abgelehnt? Dann bekommst du dein Geld erstattet.
FAQS
Häufige Fragen zu Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis
Gesundheitlich: Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel und Konzentrationsprobleme, dazu ein Abhängigkeitspotenzial bei THC. Rechtlich: Einschränkungen beim Fahren, vor allem in der Einstellungsphase. Finanziell: Kosten bei Privatrezept. Zu Beginn kommt der Zeitaufwand für die Einstellung hinzu. Alles Weitere steht im Überblick zu medizinischem Cannabis.
Möglich, aber in der Therapie unerwünscht. Bei niedriger, langsam gesteigerter Dosis ist eine psychoaktive Wirkung selten, bei THC-reichen Blüten und zu schneller Steigerung kann sie auftreten. Ziel der Einstellung ist Linderung ohne Rausch. CBD wirkt nicht psychoaktiv.
Akute Nebenwirkungen vergehen meist innerhalb von Stunden, spätestens nach ein bis drei Tagen. Beschwerden der Einstellungsphase lassen mit der Gewöhnung nach. Hält etwas länger an oder wird stärker, gehört es in die Sprechstunde.
Eine „Wesensveränderung“ ist nicht belegt. Studien zum Dauerkonsum beschreiben eher weniger Antrieb, Impulsivität oder Gleichgültigkeit, oft zusammen mit Depression, die dem Konsum vorausging. In der ärztlich begleiteten Therapie mit niedriger Dosis ist das nicht untersucht.
Für Leberschäden durch THC gibt es keine belastbaren Hinweise. Hoch dosiertes CBD, wie in Fertigarzneimitteln, kann die Leberwerte erhöhen, deshalb werden sie dort kontrolliert. Bei bestehenden Lebererkrankungen wird besonders sorgfältig abgewogen.
Selten. Kopfschmerzen gehören laut Kassenreport zu den seltenen Nebenwirkungen und sind meist dosisabhängig. Trinken hilft, Mundtrockenheit und Flüssigkeitsmangel verstärken Kopfschmerzen. Bleiben sie bestehen, Dosis und Produkt mit der Ärztin prüfen.
Nach regelmäßiger Einnahme sind Unruhe, Reizbarkeit, Schlafprobleme und Appetitverlust möglich, meist ab dem ersten bis dritten Tag und abklingend nach zwei bis drei Wochen. Deshalb wird nicht abrupt, sondern schrittweise abgesetzt, abgestimmt mit der Ärztin oder dem Arzt.
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Quellen
- BfArM: Begleiterhebung zu Cannabisarzneimitteln, Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 3/2022 https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis-als-Medizin/Begleiterhebung/_node.html
- Deutsches Ärzteblatt (2022): Nebenwirkungen bei Cannabistherapie häufig, aber wohl meist eher leicht https://www.aerzteblatt.de/news/nebenwirkungen-bei-cannabistherapie-haeufig-aber-wohl-meist-eher-leicht-6cd8f5d2-5d0b-4712-a918-e80ae719c6b2
- PTAheute (2022): Welche Nebenwirkungen haben Cannabis-Arzneimittel? (Zahlen der Begleiterhebung) https://www.ptaheute.de/aktuelles/2022/10/06/welche-nebenwirkungen-haben-cannabis-arzneimittel
- Techniker Krankenkasse: Cannabisreport, Nebenwirkungen akut und langfristig https://www.tk.de/techniker/krankheit-und-behandlungen/erkrankungen/behandlungen-und-medizin/cannabisreport/nebenwirkungen-akut-langfristig-2032616
- ÄZQ/Bundesärztekammer: Patienteninformation Cannabis als Medizin? https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/Patienteninformationen/cannabis-kip-baek.pdf
- Deutsche Schmerzgesellschaft: Cannabis in der Schmerzbehandlung https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/aktuelles/cannabis-in-der-schmerzbehandlung
- Gelbe Liste: Wirkstoff Cannabis https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Cannabis_53341
- Müller-Vahl K., Grotenhermen F. (2017): Medizinisches Cannabis. Deutsches Ärzteblatt https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=M%C3%BCller-Vahl%20Grotenhermen%202017%20medical%20cannabis%20Deutsches%20%C3%84rzteblatt
- Metaanalyse (2024): Psychoseähnliche Nebenwirkungen bei medizinischer und nicht-medizinischer Anwendung. Nature Mental Health https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=cannabis%20medical%20non-medical%20use%20adverse%20effects%20psychosis%20meta-analysis%20Nature%20Mental%20Health%202024
- Holt A. et al. (2024): Cannabis for chronic pain and risk of arrhythmia. European Heart Journal https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=Holt%202024%20medical%20cannabis%20chronic%20pain%20arrhythmia%20European%20Heart%20Journal
- Übersichtsarbeit (2021): Cannabis und das jugendliche Gehirn, 90 Studien https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=cannabis%20adolescent%20brain%20structure%20function%20systematic%20review%202021
- Rocchetti M. et al. (2013): Hippocampus und chronischer Cannabiskonsum, Metaanalyse https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=Rocchetti%202013%20cannabis%20hippocampus%20meta-analysis
- Grant I. et al. (2003): Kognitive Folgen von Cannabis, Metaanalyse https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=Grant%202003%20non-acute%20cognitive%20effects%20cannabis%20meta-analysis
- Bahji A. et al. (2020): Prävalenz von Cannabis-Entzugssymptomen, Metaanalyse. JAMA Network Open https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=Bahji%202020%20cannabis%20withdrawal%20prevalence%20meta-analysis%20JAMA%20Network%20Open
- Allen J. H. et al. (2004): Cannabinoid hyperemesis. Gut https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=Allen%202004%20cannabinoid%20hyperemesis%20cyclical%20vomiting
- Rubio-Tapia A. et al. (2024): AGA Clinical Practice Update on Cannabinoid Hyperemesis Syndrome https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=Rubio-Tapia%202024%20AGA%20cannabinoid%20hyperemesis%20syndrome
- DocCheck Flexikon: Cannabis-Hyperemesis-Syndrom https://flexikon.doccheck.com/de/Cannabis-Hyperemesis-Syndrom
Redaktion GreenMedical. Mehr über uns.